Dorking: HSS 2019 in Leipzig

„Mein Leipzig lob ich mir“: der alte Goethe wusste schon, weshalb diese Metropole schon damals einen ungeheuren Charme besaß. Die weltgrösste Rassegeflügel- und -taubenschau 2019 verkörpert in Perfektion modernes Ausstellungswesen, ein gigantisches Schaufenster der Rassevielfalt und einen Magnet für Aussteller, Besucher und Interessierte in Sachen Rassegeflügelzucht.

Schön, dass der SS dort zu Gast mit seiner HSS sein konnte. Mit 33 Dorking und einem Stamm Zwerge in der VZV Präsentation blieben wir unter unseren Möglichkeiten. Ärgerlich, dass rund 20 Dorking zu Hause bleiben mussten, da die Anmeldungen zu spät erfolgten aufgrund des vorgezogenen Anmeldschlusses bei Erreichen der Gesamttierzahl. Unsere Dorkingzüchter müssen hier künftig frühzeitig ihre Meldungen vornehmen.

Krankheitsbedingt viel leider unser SR aus, der dann eingesetzte Allgemeinrichter besaß glücklicherweise eine Affinität zu seltenen Rassen und machte einen guten Job. Die 6,6 Silberhalsigen hinterließen einen guten Gesamteindruck in Schaufertigkeit, Vitalität und Typ. Wünsche gab es bei den 1,0 Haltung waagrechter, mehr Brusttiefe, Schwanzhaltung nicht steiler, Kehllappen glatter. Der herausgestellte Hahn war mustergültig, besonders die Masse und der vierschrötige Körper mit schönem silberweiß und reduzierter Zeichnung im Hals und Sattel gefielen. Hier wäre eine höhere Note vertretbar gewesen. Bei den 0,1 sahen wir stattliche kräftige Hennen mit bester 5-Zehigkeit, feiner Zeichnung und Farbe. Probleme im Kammschnitt und deutlicher Sporenansatz führten zu unteren Noten. Teilweise waren die Hennen in der Halszeichnung und im Mantelgefieder überzeichnet, diese sind dann dem Farbenschlag silber-wildfarbig zu zuordnen. 2,1 Silber-wildfarbig auch mit kräftigen Tieren im Masthuhnschnitt. Perfekt waren die überzeichneten Hähne im Hals- und Sattelgefieder sowie in der kräftigen Schulterzeichnung – hier konnte man deutlich die Abgrenzung zu den silbergrauen erkennen. Leider wurde die violette Einlagerung im schwarz des Schwanz- und Schuldergefieders zu sehr geahndet. Die Henne war eine typische Vertreterin dieses Farbenschlages: kräftig, schöner Kopf, tiefe Brust, breiter Körper, ausgeprägte Halbmondzeichnung im Mantel- und Brustgefieder. Hart bestraft wurde sie wegen der blassen Ohrlappenfarbe – gerade bei legenden Hennen und im wildfarbigen Farbenschlag muss dies toleriert und als Wunsch notiert werden. 2,8 Weiße waren eine Überraschung; über viele Jahre hinweg sah man sie nicht. Eine Zucht bestach durch kräftige Typen, prima Zehentrennung und reinem weiß. Bei den Hähnen wurde Stand waagrechter und Brust tiefer als Wunsch notiert. Auch hier sollten die Kehllappen glatter sein. Bei den Hennen wurden als Wunsch glattere Kehllappen, Vorkamm stabiler und Steuerfedern geordneter notiert (V, HV Mojzis). 3,5 Gesperberte waren eine weitere Überraschung; die letzten Ausgestellten sahen wir 2006 ebenfalls in Leipzig. Leider waren die Tiere teilweise noch unfertig, trotzdem gefielen sie im Typ mit langem waagrechtem Körper und relativ tiefen Stand, Zehentrennung und Zeichnungsanlagen.

In der VZV 100 Stämme Ausstellung wurden auch 1,2 Zwerg-Dorking silbergrau gezeigt. In den Hauptrassemerkmalen ein schöner Stamm, leider störte das abgetretene Sattelgefieder bei den Hennen – die Trennung der Geschlechter bis nach der Ausstellungssaison verhindert dies. Alles in allem war dies eine gelungene Präsentation unserer Dorking, sie gaben einen Überblick des derzeitigen Zuchtstandes, viele interessierte Besucher, Züchter und Preisrichter konnten die uralte Rasse ausführlich begutachten. Sie hat in Deutschland eine lange Tradition, bereits 1910 wurden zur Nationalen in Berlin mehr als 30 Dorking in den bekannten Farbenschlägen gezeigt. Das Dt. Lachshuhn verdankt ihren Ahnen, den Dorking, ihre Existenz. Schade, dass diese Rasse, die lange vor 1930 in Deutschland als Fleischhuhn mehrfach nachweislich gezüchtet wurde, nicht auf der „Liste alter einheimischer Geflügelrassen in Deutschland“ (häufig auch „Rote Liste“ genannt) geführt wird. Unstreitig ist, dass die Rasse in den letzten 90 Jahren vom Aussterben bedroht ist. Auch das Argument, bei den Dorking handelt es sich um keine einheimische Rasse passt nicht, findet sich doch auf der Liste Rassen, wie die belgischen Mechelner oder die amerikanischen Dominikaner. Hier muss von Seiten der Verantwortlichen im BDRG und den Fachverbänden als Mitglieder im Arbeitskreis Geflügel des Fachbeirates für Tiergenetische Ressourcen weiter massiv Position für die Dorking bezogen werden. An dieser Stelle möchte ich Josef Wolters zitieren, der bereits 1979 in einem Beitrag zu den Dorking in der Geflügelbörse schrieb:“ Undank ist der Welt Lohn. Bei keiner anderen Hühnerrasse hat sich dieses Sprichwort so bewahrheitet wie bei den Dorking. Diese Worte schrieb Zfrd. Friedrich Regenstein in einem Beitrag 1965 über die Dorking. Er bezieht sie auf den großen Einfluss der Dorking bei der Entstehung und Herauszüchtung vieler verbreiteter Rassen. Diese Worte sollten aber auch ein klein wenig Verpflichtung für uns Rassegeflügelzüchter sein, dieses alte Kulturdenkmal der Rassegeflügelzucht nicht untergehen zu lassen.“ Wie wahr und höchst aktuell sind diese Worte. Der 2017 (wieder)gegründete SV hat sich u.a. dies zur Aufgabe gemacht.

Bei der am 7. Dezember stattgefundenen JHV wurde beschlossen, die HSS wieder in Leipzig vom 4. bis 6. Dez. 2020 abzuhalten. Weitere Informationen unter www.dorking.de .

Joachim Mojzis, Chemnitz 1. Vorsitzender

 

 

 

Dorking und Zwerg-Dorking in der Schausaison 2018


„Once upon a time“ – es war einmal – ja, so hieß es lange über unsere einzigartigen Dorking. Diese uralte Hühnerrasse, ein vorzügliches Fleisch- und Masthuhn, das bei vielen Rassen Pate bei deren Erzüchtung stand, so z.B. Deutsche Lachshühner, wurde bereits 1910 auf der Nationalen in Berlin mir 39 Vertretern gezeigt. In den darauffolgenden 100 Jahren schrammten die Dorking oftmals gerade noch so am Aussterben in Deutschland vorbei.

Bei der 1. HSS des in 2017 (wieder) gegründeten SV zeigten sich in Hannover 43 ausgesprochen vitale Dorking und 2 Zwerg-Dorking, bedenkt man, dass kaum oder nur wenige Tiere in den letzten Jahrzehnten ausgestellt wurden, so war dies eine positive Überraschung. SR Henning Lürssen, Ritterhude hatte die Aufgabe zuchtstandsbezogen die 4 gezeigten Farbenschläge zu bewerten.

Bei den 7 silberhalsigen Hähnen bestach gleich der 1. Hahn mit massigem vierschrötigem tiefem Körper, waagrechter Haltung, prima Kopf, reinem Silber und 5-Zehigkeit. Die abgestuften Hähne waren zu unfertig in der Feder, zu hoch im Stand bzw. zu kurz im Körper sowie zu viel weiß in den Ohrlappen und stark faltigem Kehllappenansatz. Die 12 Hennen überzeugten mit kräftigem langem Körper, tiefem Stand und 5-Zehigkeit. Abstufungen gab es für M-Zacke, deutlich ausgeprägtem Sporen, unfertigem Gefieder.

An dieser Stelle sei ausdrücklich erwähnt, dass die Farbe der Dorking von untergeordneter Bedeutung ist – so auch im Standard ausdrücklich festgehalten. Sei es z.B. bei leichtem Rostanflug in der Mantel- und Halsfarbe der Henne oder bei hellerer oder dunklerer Grundfarbe. Auch sind aufgehellte Ohrlappen (gerade bei legenden Hennen) nicht zu kritisieren. Die 5 silberwildfarbigen Hähne zeigten sich mit langen massigen Körpern, mit kräftiger Hals- und Sattelzeichnung, 5-Zehigkeit und fertigen Abschlüssen. Die Abstufungen erfolgten aufgrund M-Zacke, zu viel gelb in der Mantelfarbe, glatteren Kehllappen (HV SVEB Raapke). Leider nur 3, aber dafür sehr große kräftige Hennen. Bemängelt wurde die unfertige Sattelfeder. Die schwarze feine Halbmondzeichnung (Säumung) beim Brust- und Mantelgefieder und die durchsetzte Halszeichnung unterscheidet diesen Farbenschlag zu den silberhalsigen.

Ein Musterbild an Henne wurde von Altmeister Johann Siebels präsentiert (V VHGWJB). 4,7 goldwildfarbige waren teilweise noch arg jung und wurden entsprechend abgestuft. Grobe Fehler waren bei den Hennen deutlicher Sporenansatz. Sowohl die Hähne als auch die Hennen zeigten satte Farbe und 5-Zehigkeit. 2,5 in weiß, sehr massige kräftige Tiere, feine Kämme, 5-Zehigkeit – der 1,0 war im Stand zu hoch und zu kurz im Rücken, die obere Steuerfederlage machte einer Henne Probleme, mit V BB und VHGW Champion punktete die Spitzenhenne (Mojzis). 0,2 Zwerg-Dorking in silberhalsig – feine typhafte Hennen, die in der VZV Raritätenpräsentation gezeigt wurden (HV Gauer).


Bei der 100. Nationale und LIPSIA in Leipzig wurden 2,6 silberhalsige und 2,2 silber-wildfarbige gezeigt. Da der dort eingesetzte Allgemeinrichter den Zuchtstand der Dorking nicht kannte, war die Bewertung nicht aussagefähig, in der Kritikgestaltung wurde auf die Hauptrassemerkmale nicht eingegangen – schade! Unter den Hähnen standen schwere Typen mit prima 5-Zehigkeit bei bester Kondition. Schwere silberhalsige Hennen ebenfalls in bestem Dorkingtyp begeisterten, herausgestellt wurde die kleinste Henne, das entspricht nicht dem Rassestandard der Dorking. 1,2 silberwildfarbige in der VHGW Stammpräsentation zeigten sich typhaft, Probleme in der Sattelfeder der Hennen führten leider zur Abstufung.

Schon heute wird zur nächsten HSS am 6. bis 8. Dez. 2019 nach Leipzig zur LIPSIA eingeladen.

Joachim Mojzis
1.Vorsitzender